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Wie sind Sie eigentlich in die Branche gekommen? Ursprünglich war ich Schauspieler, dann viel synchronisiert... Irgendwann hab ich angefangen, einem Regisseur (und Produzenten), immer die Texte zu ändern, weil er nun mal so blöde Texte hatte. Dann hatte er gesagt "Mach den Scheiß doch mal alleine." (lacht) Und schon saß ich hier hinten - und bin dann auch dabei geblieben, also ich mache die Bücher und die Regie. Und nicht nur bei den Simpsons, sondern auch bei hunderttausend anderen Serien und Spielfilmen. „Convoy"- sagt dir der Titel was? Hm, mit Kris Kristofferson? Genau! Dann in letzter Zeit: „Ein Hund namens Beethoven", „Eine Familie namens Beethoven", so eine Bernhardiner - Geschichte, dann „Hair"-ein Musical... mehr fällt mir im Moment nicht ein. Im Moment mache ich „Beverly Hills 90210", und dann eine Serie mit dem wunderbaren Titel „Das Leben und ich" - so was von bescheuert - aber es ist eine sehr schöne Serie, über Jugendliche die aufs College gehen. Dann mache ich hier „Die Simpsons", „Futurama" und „Family Guy", das sind alles Zeichentrickserien. Futurama ist vom selben Produzenten, der auch für die Simpsons verantwortlich ist... ...Matt Groening... Ja, genau! „Family Guy" ist nicht von Matt Groening, allerdings ist sie auch von FOX. Sie laufen in Amerika ja hintereinander, also jeden Sonntag um acht eine neue Simpsons-Folge (also im Winter, im Sommer dann Wiederholungen), das ist entweder „Futurama" oder „Family Guy". Dann gibt es noch eine dritte Serie, „Malcolm in the Middle". Wie sind Sie nach München gekommen? Ich habe Theater gespielt, in der deutschen Provinz. Koblenz drei Jahre, Oberhausen, Dortmund, Wuppertal. Und freiberuflich mußt du eben irgendwohin gehen, wo du ganz viele Verdienstmöglichkeiten hast, und da gibt es eigentlich nur drei Städte, und München ist eine davon. Was sprechen Sie bei den Simpsons so für Rollen? Also, fest spreche ich nur den Tingeltangel-Bob, und zur Zeit spreche ich Nebenrollen, was so anfällt. Früher haben Sie ja auch Lovejoy gemacht...
Hm, was du noch alles weißt... Stimmt! Da habe ich mir aber nicht in der Rolle gefallen, denn er hat im Original eine so unheimlich schöne tiefe Stimme, und dann habe ich einen anderen Sprecher genommen, den fand ich auch besser. Sehr theatralisch macht er das, der Lovejoy. Welcher Charakter von den Simpsons ist eigentlich Ihr Lieblingscharakter? Hm, Lieblingscharaktere - Homer und Bart. Homer hat einfach die besten Gags für sich. Und weil er ja auch der Blödmann ist, das ist doch die dankbarste Rolle überhaupt. Bart ist zwar ein kleiner Frechdachs, aber Homer, als Rolle, hat am meisten Charakter und dadurch mehr Vielfältigkeit. Machen Ihnen Simpsons noch immer Spaß? Die Simpsons machen mir nach wie vor Freude. Ich bin ja im dritten Jahr eingestiegen - 59 Folgen hat Siegfried Rabe fürs ZDF gemacht - und dann ich, und mache das seit 7-8 Jahren jetzt. Es macht nach wie vor Spaß, denn sie haben auch fabelhafte Original-Drehbuchautoren, die Vorlagen sind klasse - da fällt einem auch was dazu ein, wenn man eine gute Vorlage hat. Viele Sachen muß man ja ändern, weil das einfach vom Amerikanischen nicht so übertragbar ist. Manchmal sind es Wortspiele, da mußt du andere Wortspiele machen, die kannst du nicht wortwörtlich übersetzen. Da muß man sich eben deutsche Gags einfallen lassen, aber bei einer guten Vorlage fällt dir was ein. Oder wenn es Namen sind, die man hier überhaupt nicht kennt - dann sagst du dir „Den Journalisten kennt hier keiner". Andererseits kannst du einen deutschen Journalisten auch nicht nehmen, dann wäre es zu sehr auf Deutschland bezogen. Ich hatte mal einen Redakteur, der sagte immer „Nimm Thomas Gottschalk, oder Frau Schreinemakers". Und Frau Schreinemakers gibt’s gar nicht mehr im Fernsehen. Das veraltet so schnell - und dann auch zu kleinkariert auf Deutschland, so geht es nicht. War es denn schwer, Simpsons nach drei Jahren ZDF-Synchro zu übernehmen? Ja! Gar nicht mal, weil es jemand anders gemacht hat, sondern weil die „Simpsons" für mich etwas völlig neues waren. Bei der ersten Folge dachte ich mir: „Das kann doch gar nicht sein, kann ich denn kein Englisch mehr?" Denn es ist so ein böser netter sarkastischer Humor. Ich hatte aber gottseidank eine wunderbare Supervisorin aus den USA, die auch perfekt Deutsch spricht. Und was man da erfinden muß - manchmal muß man ja selbst Wortschöpfungen erfinden - bis du dahinterkommst, hat das 3 bis 4 Folgen gedauert. Also, es war schwerer, als wenn man eine Krimiserie übernimmt oder neu anfängt. Da ist alles geradeaus, da denkt man überhaupt nicht drüber nach. Und hier denkt man "Was? Wie kann der Bart mit seinem Vater SO sprechen? Das kann nicht sein.". Es ist eine völlig überhochnetzte Geschichte, das Ganze. Und es hat ein paar Folgen gedauert, bis ich "drin" war, muß ich ehrlich sagen. Hatten Sie Unterstützung von dem vorigen Übersetzer? Nein, überhaupt nicht. Wieso wurde damals eigentlich das Synchronstudio gewechselt? Nicht das Synchronstudio wurde gewechselt, sondern die Serie wechselte vom ZDF zu ProSieben. Und zwischen dem vorherigen Regisseur und der Direktion gab es Differenzen, mehr möchte ich dazu nicht sagen. Aber es war dann kein Problem, die Schauspieler mit zu übernehmen? Nein, es war kein Problem. Wie funktioniert es denn so? Was bekommen Sie von den Originalstudios? Ich kriege eine VHS-Kassette, und das Originaldrehbuch. Und ich habe einen Videorecorder zu Hause, wo ich vorwärts und rückwärts spulen kann. Dann höre ich mir die Sätze - wenn ich Glück habe - einmal, und wenn ich Pech habe - zwanzig Mal vor. Da muß ich laut dazuquacken, um zu schauen, ob es synchron ist. Ich muß also so tun, als ob die Figuren deutsch reden, die Silben treffen. Ich muß laut alles sprechen und mir vorstellen - so muß der Sprecher es dann sprechen/so stimmt’s von der Länge/jetzt muß ich’s länger machen... Der Englische Text ist ja von der Sprache her wesentlich kürzer als Deutsch. Manchmal muß man aber auch einen Satz dazubasteln. Drum muß ich es vor mich hinquacken, damit die Sprecher nicht hier vorne stehen und sagen, du hast Scheiße gebaut. (lacht). Das ist die Vorarbeit, und nur so können wir schnell sein. Damit die Schauspieler sofort wissen, wie ich dies oder das meine. Die Schauspieler sind ja auch Profis... Sie machen es ja auch schon seit 10 Jahren... Norbert Gastell kennt Homer besser, als ich ihn jemals kennen würde. Kann es sein, daß er auch keine anderen Rollen mehr bekommt, weil er zu sehr mit Homer Simpson assoziiert wird? Nein, der kann ja auch andere Rollen. Bei Homer Simpson verstellt er sich ja: er piepst etwas. Normalerweise hat er eine sehr weiche Stimme. Andere Rollen spricht er dann auch total anders. Wie lange dauert die Synchronisation einer Folge so insgesamt? Ich brauche, über den Daumen gepeilt, einen Tag für den deutschen Text. Dann kriegt die Aufnahmeleitung die Bücher, und die müssen eingetaket werden. Das dauert bei einer Folge 4-5 Stunden. Dann werden die Takes auf die Disk gespeichert, damit der Computer nur die verlangten Takes ausgeben kann. Dann braucht man etwa einen Tag für die Sprachaufnahmen einer Folge. Wir drehen zwar durcheinander, aber in 8 Tagen schaffen wir 8 Folgen. Dann kriegt unsere liebe Sandra (die Cutterin) das ganze und schneidet die Dialoge, dafür hat sie 14 Tage bis 3 Wochen Zeit. Und dann kommt die Mischung, und die schaffen, 3 oder 4 Folgen am Tag zu mischen, denn da kommen die Musik und die Geräusche wieder dazu. Dafür haben wir ja das International Tape, wo keine Sprache drauf ist. Dann fügt sich das wieder zu einem Ganzen zusammen. Das, was wir hier machen, ist nur Stückel-Arbeit, also die Sprachaufnahme. |
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