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Von Peter Klassen

So ein böser netter sarkastischer Humor!
Interview mit Ivar Combrinck - Teil 2

Müssen Sie viel recherchieren, wenn es um Anspielungen geht?

Viel - nicht. Denn ich kriege hervorragende Continuities, das sind die Original-Dialoglisten. Die erklären da recht viel, und Anspielungen auf Spielfilme sowieso. Dann guckt man im Internet nach, wie der deutsche Titel lautet, dann hat sich das. Da kriegst du wirklich fast jede Anspielung erklärt, und ich bin sehr dankbar, daß es das gibt.

Wie kommt es eigentlich zu den Diskrepanzen in der Übersetzung von Clipshow-Folgen, wo Teile alter Folgen zitiert werden? Der krasseste Beispiel ist da die „138. Episode".

Ja. Die Bücher alter Folgen kann man dann meistens nicht mehr finden, da muß ich die Schuld auf mich nehmen. Die Bücher stammen entweder von den ersten 60 Folgen, die ich gar nicht gemacht habe, oder von den anderen Folgen von damals. Und sie sind auch längst gelöscht. Da gibt es keine Drehbücher mehr.

Behalten Sie die Drehbücher nicht?

Ich kriege sie gar nicht, ich lasse sie hier. Die Firma hat sie, und keiner weiß, wo sie sind. Es ist auch ein Zeitaufwand, rauszusuchen, ist dieser Dialog aus der Folge 38 oder 40? Die Zeit hat kein Mensch.

Die Folgen danach durchsuchen wäre wahrscheinlich auch aufwendig?

Ja, da sitzt eine Cutterin vier Tage dran, dann sagt man „Was soll’s, nehmen wir’s neu auf". Da können natürlich Diskrepanzen auftauchen, es nicht 100%ig identisch. Du merkst es vielleicht, aber die meisten Zuschauer dann doch nicht. Die Fans nehmen’s aber übel, das sehe ich ein. Aber die Zeit haben wir einfach nicht.

Hingegen wurde die Gesangs-Clipshow „All Singing, All Dancing" zumeist korrekt übersetzt, zumindest waren die Untertitel aus den entsprechenden „zitierten" Folgen.

Ja stimmt, das weiß ich noch. Das hat dann schon Sandra gemacht. Vorher hatten wir eine andere Cutterin, die bei weitem nicht so gut war, wie unsere Sandra.

Ach ja, zu den Untertiteln beim Gesang. Ist es nötig, sie in eine Reimform zu bringen? Das geht ja oft auf Kosten der Sinnwiedergabe.

Es ist nicht notwendig, aber ich finde es viel schöner. Du merkst, daß sie in Reimen singen, dann sollte man im deutschen auch einen Reim haben. Es mag etwas holpern, aber man muß die Untertitel ja nicht unbedingt mitsingen. Man sollte aber schon versuchen, so viel ins Deutsche rüberzubringen. Ich meine, du bist ja Kölner, und bei Karnevalsliedern denkt man ja auch, „mein Gott, da haben sie nach einem Reim gesucht und keinen gefunden". Und dann kann es wiederum witzig sein, gibt’s ja auch.

Was ist eigentlich die Rolle von Gerhard Steinert, der im Abspann ebenfalls erwähnt wird?

Der liest meine Bücher durch, und sagt dann „Da finde ich die Satzstellung falsch" oder ähnliches. Es sind aber meistens nur 4 oder 5 Korrekturen pro Buch. Meine Bücher diktiere ich ja auf Band, dann habe ich keine Chance, sie gegenzulesen. Das ist dann seine Aufgabe, und wir verstehen uns auch sehr gut. Ob ich dann eine Änderung mache oder nicht, liegt in meinem Ermessen. Die Redaktion ist also der „Gegenleser". Denn kein Mensch ist unfehlbar, und jeder macht Fehler.

Bei der deutschen Simpsons-Newsgroup gab es ein Projekt mit dem Titel „The B.A.R.T. Files", wobei B.A.R.T. für „Bugs And Rigged Translations" steht. Inzwischen bereits etwa 20 Listen, wo kleinere und größere Übersetzungsfehler aufgelistet sind, mit Original verglichen.

Ja? (lacht) Da gucke ich rein!

Müssen Sie auch mal Dialogänderungen vornehmen, aus Zensurgründen? Wenn zum Beispiel ein Dialog fürs deutsche Publikum zu krass klingt?

Gibt es... dann kommen die Redakteure und sagen, z.B. bei Futurama „Das ist so sexistisch!". Aber das haben sie eben nicht kapiert, ich hab’s so gelassen, wie es schon war. Das Wort „Bumsen" haben Kinder bestimmt schon mal gehört. Manchmal ist eine Redaktion vorsichtig, dann muß ich sagen „Hört euch doch einfach mal an, wie wir es machen". Denn es ist im Original so böse, und wieso sollte man es nicht auch so lassen?

Gibt es auch manchmal Meinungsdifferenzen zwischen dem Sprecher und dem Regisseur, wenn der englische Text etwas ganz anderes besagt, als der deutsche?


Seit 10 Jahre mit Leib
und Seele dabei:
Norbert Gastell (Homer Simpson)
 

Eigentlich nicht, man hält sich meistens an das Drehbuch. Aber manchmal sagt einer „Der Satz kommt aus dem Englischen nicht rüber", dann muß man auf die Schnelle einen ganz anderen Gag erfinden. Das gibt’s auch manchmal.

Bei Simpsons kommen ja ganz oft im Original
Prominente vor. Ist es möglich,
die Originalsprecher für die Synchronisation
zu engagieren?

Das versuchen wir, soweit es geht. Zum Beispiel, hier ist Meryl Streep drin mit einem Spucklaut, da holen wir natürlich nicht die deutsche Stimme aus Berlin. Das merkt doch auch kein Mensch. Gut, Paul McCartney hatte eh keine deutsche Stimme. Es tauchte aber mal Clint Eastwood auf, da haben wir sogar Klaus Kindler genommen.

Das war aber im Original gar nicht der echte Clint Eastwood....

Das passiert bei denen auch oft, z.B. Clinton ist dann auch nicht der echte Clinton. Und Nixon kriegt man natürlich auch nur ganz selten ans Mikrophon... (lacht) Aber wir bemühen uns schon.

Wurde denn John Goodmans Gastrolle aus der 11. Staffel korrekt synchronisiert?

Das war jetzt Hartmut Neugebauer, der deutsche John Goodman-Sprecher. Den haben wir für die Folge gehabt, er ist ja auch hier aus München. Aber wenn’s ein Spucklaut ist, oder nur ein Satz, da fliegen wir niemand aus Berlin ein, da kostet alleine der Flug 2000 Mark. Mulder und Scully habe ich damals für „The Springfield Files" in Berlin aufgenommen, weil ich damals viel in Berlin gearbeitet habe, die haben mich mitgenommen.

Ist es eigentlich schwer, Regie zu führen, wenn man gleichzeitig eine Rolle zu sprechen hat?

Ne. Denn du weißt ja haargenau, was du machen willst. Ich hatte mal eine Krimiserie gemacht, „Die Profis". Da habe ich eine der Hauptrollen gesprochen. Das geht.


Sie haben das Recht,
abgrundtief böse zu sein:
Sideshow Bob (Kelsey Grammer)
alias Tingeltangel-Bob (Ivar Combrinck)
 

Und wenn Sideshow Bob zurückkehren würde, würden Sie ihn wieder sprechen?

Wer? Sideshow... ach so, Tingeltangel-Bob, ah ja - natürlich!

Wieso wurde er eigentlich umbenannt? Beim ZDF hieß er noch „Sideshow Bob".

Weil einfach Buch und Regie gewechselt haben. Ich habe ihn umbenannt. Unter „Sideshow" kann sich niemand in Deutschland etwas darunter vorstellen. Es bedeutet doch nur „der Partner eines Hauptdarstellers". Und bei „Tingeltangel-Bob", weiß man sofort, es ist ein Jahrmarkt-Heini, der für Geld auftritt.

Wie kommen eigentlich die deutschen Folgetitel zustande? Sind manchmal selten dämlich...

Ich mache Vorschläge, und die Redaktion macht Vorschläge. Entweder wählen sie einen von meinen aus, oder es fällt ihnen was besseres ein. Mit den Titeln ist es aber so: Ich habe mal eine Serie in Berlin gemacht, sie hieß „Night Court" mit John Larroquette, den ich für einen hervorragenden Schauspieler halte, und den ich auch gesprochen habe. Night Court war eine Art abendliches Schnellgericht, da werden Nutten und Zuhälter abgeurteilt, in New York. Hatte den wunderbaren deutschen Titel „Harry’s wundersames Strafgericht", lief um halb eins nachts, keine Sau hat reingeguckt. Und es war so sarkastisch und so witzig, und so... völlig verpufft. Bei diesem Uhrzeit, und bei dem Titel erst. Oder die andere Serie von mir - „Das Leben und Ich". Im Original heißt sie „Boy meets World". Auch kein toller Titel. Aber bei „Das Leben und Ich" - dann guckst du in die HÖRZU und sagst dir: um halb eins Samstag läuft „Das Leben und ich". Was ist das - eine Pfarrerdiskussion, eine Ratgebersendung - und dann läßt man es sein.

Ist es schwer, das Cast aufrechtzuerhalten, also die ganzen Nebencharaktere?

Nein, im Prinzip nicht. Obwohl, Sandra Schwittau ist zu ihrem Lebensgefährten nach Berlin gezogen, insofern muß sie immer herfliegen. Dann gab’s Probleme, denn Elisabeth Volkmann hat drei Monate in Köln im Theater gespielt. Da mußten wir schauen, wann sie spielfrei hatte, da haben wir sie hergeflogen. Aber im Prinzip - es sind alles Münchener. Wesentliche Probleme gibt’s da nicht.

Auch für die Nebencharaktere?

Da haben wir eine feste Truppe, und es ist immer dieselbe. Gewechselt haben sie sich ein paar mal, das ist klar. Probleme hatten wir mit Grampa. Walter Reichelt, der Grampa-Sprecher hatte schwere Zuckerkrankheit, man hat ihm sogar ein Bein abgenommen. Er lebt gottseidank noch, aber seine Frau starb dann, und er ist schwer depressiv und möchte mit dem Beruf nichts mehr zu tun haben. In der neunten Jahresstaffel hatte Grampa gottseidank nicht viel, da haben wir jemand genommen. Dann hatte Grampa plötzlich wieder eine große Rolle, und da sagten wir uns, das kann der andere Sprecher nicht packen, das ist ein schlechter Schauspieler. Wir haben dann diesen dritten gesucht, und der jetzige ist auch eine ganz große Klasse. Er hat Charakter!

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